Geschichte der Glasherstellung
Die frühe Menschheit: Natürliches Glas als Werkstoff
Die Erfolgsgeschichte von Glas als Material für die Herstellung verschiedenster Werkzeuge und Kunstobjekte begann bereits in der Ur- und Frühzeit. In seiner natürlichen Form als Obsidian diente es zur Herstellung von scharfen Werkzeugen wie Klingen und Bohrer. Diese Zeugnisse frühester menschlicher Handwerkskunst finden sich heute nahezu überall in Europa, Afrika und Asien.
Bis zum Beginn der Antike verließ man sich auf dieses äußerst harte Material, stieß jedoch, was Formbarkeit und Schmelze betrifft, stets an die Grenzen des Möglichen.
Glasherstellung am Nil und im Zweistromland:
Von der Natur zum Handwerk
Mesopotamien gilt heute als Wiege der künstlichen Glasherstellung. Die ältesten Erwähnungen sind um etwa 1600 v. Chr. datiert. Aber auch die antiken Ägypter wurden zu Meistern der Glasmacherei, sie stellten Hohlgefäße für Salben und Öle her.
In der Bibliothek des assyrischen Königs Assurbanipal wurde das älteste bekannte Rezept zur Herstellung von Glas entdeckt und auch Plinius der Ältere, ein römischer Gelehrter, beschreibt das Verfahren des Glasmachens realitätsgenau aus Flusssand und ägyptischem Natron.
Das Römische Reich: Vom Ziergefäß zum Behälter
Zunächst wurden Ziergefäße hergestellt und bemalt, oder das Glas wurde für Parfumfläschchen und Zierperlen verwendet. Im Römischen Reich setzte sich dann das Behälterglas durch, da es aufgrund seiner Geschmacksneutralität Behältnissen aus beispielsweise Leder oder Holz vorgezogen wurde. In der Spätantike hielt dann das Trinkglas und die Karaffe, wie wir sie heute kennen, Einzug in die Haushalte der betuchten Römer. Denn die Herstellung von Glas war stets aufwendig und kostspielig, sodass sich nur reiche Bürger und Adlige diesen Luxus leisten konnten.
Die Neuzeit: Vom Schmuck zum Fenster
Glas als Material für Schmuck kam in Mitteleuropa zur Zeit der Kelten erstmals in Mode. Die Germanen übernahmen dabei die römischen Methoden zur Glasherstellung ebenso wie deren Formensprache. Es lassen sich auch einige Nachweise dafür finden, dass die Germanen bereits römisches Glas recycelten. Fensterglas wurde nachweislich zuerst in der Gotik für die Kirchenbauten hergestellt.
Die Zeit der Industrialisierung: Vom Handwerk zur Maschine
Das erste kristallklare Glas wurde Mitte des 15. Jahrhunderts in Venedig hergestellt, dass in der Folge als Glasmetropole Karriere machen sollte. In der Barockzeit lief dann böhmisches Schnittglas der Lagunestadt den Rang ab, konnte es geschliffen, geschnitten und somit noch facettenreicher bearbeitet werden.
Im 19. Jahrhundert wurde dann die Glasherstellung mithilfe diverser Erfindungen industrialisiert und automatisiert. Jedoch konnte das Filigrane und Reine der handgearbeiteten Gläser erst nach vielen weiteren Erfindungen und Patenten auch in der Industrie erreicht werden.
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